Mindener Tageblatt vom 08. April 2006

Von Gisela Burmester
Hille-Rothenuffeln (mt). Operngesang für Schulkinder - dieses Experiment
wagte gestern die Grundschule Rothenuffeln.
Eingeladen hatten Schulleiterin Doris Rodenberg und ihre Kolleginnen die
Junge Oper Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in die Kreuzkirche in
Rothenuffeln. „Bastien und Bastienne” von Wolfgang Amadeus Mozart stand
für alle acht Klassen auf dem Programm. Und auch einige Mütter und Väter
waren gekommen, um die kindgerecht bearbeitete, hochprofessionelle
Darbietung zu sehen und zu hören, die mit minimalistischer Kulisse,
klangstarker Musikanlage und vor allen Dingen den ausgebildeten Sängern
Josefine Nickel (Bastienne), Marc Schlapp (Bastien) und Stefan Lindemann
(Colas) mitriss und begeisterte.
Als Schäfer Colas mit Kuschelschaf Lucy die Bühne betrat, herrschte
augenblicklich Stille. Nichts wollten die Kinder von deren Geschichten
verpassen. Beispielsweise, dass Männer in den Stimmlagen Bass, Bariton
und Tenor singen, während die Sängerinnen über Alt, Mezzosopran oder
Sopran verfügen. Und dass Bastien und Bastienne ein Liebespaar sind,
Bastien allerdings auch gern mit hübschen Frauen flirtet - gestern mit
einer gutaussehenden, ein wenig verlegenen Mutter im Publikum -, was
wiederum Bastienne wütend macht.
Sie sucht Rat bei Colas, der auch über Zauberkräfte verfügt. Er rät ihr,
ihren Freund eifersüchtig zu machen. Schon verwandelt sich die schlicht
gekleidete Bastienne in ein wunderschönes Mädchen, was Bastien nicht
verborgen bleibt.
Auch der hat sich an Colas gewandt, um Bastienne zurückzugewinnen. Dank
Zauberhut und Zauberbrille und der lautstarken Mithilfe der Kinder weiß
er einen Ausweg aus der Misere, so dass am Ende das Liebespaar glücklich
vereint auf der Bühne steht. Nicht nur die gelungene Mischung aus Gesang
und gesprochenem Text sicherte die Aufmerksamkeit der Kinder, sondern
auch ihr eigener Anteil am Geschehen.
Sie durften kommentieren und schreien, helfen und mitspielen. Und
herzhaft lachen, als sich Bastienne, sich an Bastien rächend, auf den
Schoß von Stefan Fabry setzte. Nur dessen Sohn Jonas wäre am liebsten
unter den Stuhl gekrochen.
Das Leben und Werk Wolfgang Amadeus Mozarts war das Thema eines
Schulprojekts in der Grundschule Rothenuffeln. Alle vier Jahrgänge
hatten sich mit dem genialen Komponisten, dessen 150. Todestag in diesem
Jahr gefeiert wird, intensiv auseinandergesetzt.
Nach Auskunft von Doris Rodenberg übten die Erstklässler einfache
Lesetexte, in der es um Mozarts Kindheit ging, und schnitten
Anziehpuppen aus.
Die zweiten Klassen interessierten sich ebenfalls für das Kind Wolfgang
und behandelten die „Kindersymphonie”, die von seinem Vater Leopold
Mozart komponiert wurde.
Konkret mit „Bastien und Bastienne” befassten sich die beiden dritten
Klassen. Speziell Colas' Zauberspruch faszinierte sie.
Auf eine musikalische Reise ging die vierte Jahrgangsstufe gesanglich
und instrumentell: „Bona Nox”, „Die kleine Nachtmusik”, „Hornkonzert”,
„Schlittenfahrt” und „Kindersymphonie” standen auf dem Programm.
Die Junge Oper ist eine Privatinitiative, die weder vom Bund, von
Ländern oder ähnlichen Einrichtungen finanziell gefördert oder
subventioniert wird.

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Fotos: Gisela Burmester