Bestens für Einsteiger - der junge Mozart

Bastien und Bastienne von Wolfgang Amadeus Mozart
(Empfohlene Altersstufe: von etwa 6 bis 12 Jahren)

Bastien und Bastienne

Unsere Oper für Anfänger Bastien und Bastienne ist durch die einfach nachzuvollziehende Geschichte, sowie die unkomplizierte, gradlinige Musik eines damals noch sehr jungen Mozart, ein perfekter Einstieg in die Opernwelt und deshalb sogar für Kinder ab etwa 5 Jahren geeignet, aber auch für Kinder und Jugendliche, die zum ersten Mal überhaupt mit der Materie in Kontakt kommen.

Grundsätzlich kann man zu allen unseren Stücken/Fassungen sagen, die Schulen/Veranstalter stellen eine Bühne oder ebenerdige Spielfläche, Steckdose/n, Bestuhlung, und alles weitere Erforderliche bringen wir jeweils mit.

Bastien und Bastienne

Zur Oper

Der Text: Nach der französischen Operette "Les amours de Bastien et Bastienne" von Guerville de Harny und Charles Simon Favart, war ursprünglich als Parodie auf Jean Jacques Rousseaus Hirtenspiel "Le devin du village" gedacht. Ins Deutsche übersetzt wurde das Stück im Jahr 1764 von dem Wiener Schauspieler Friedrich Wilhelm Weiskern. Die Produktion wird in ungekürzter Form, aber mit einer für Kinder und Jugendliche speziell adaptierten Übersetzung der Originaltexte aufgeführt.

Die Geschichte: "Bastien und Bastienne" wurde von Dr. Franz Anton Messmer (zu seiner Zeit anerkannter Meister in der "Magnetismus" genannten Heilmethode) für sein Gartentheater, bei dem damals erst 12- jährigen Mozart, in Auftrag gegeben. Hier wurde diese Oper am 7. Dezember 1768 uraufgeführt. Es dauerte aber noch über ein Jahrhundert, bis diese deutsche "Operetta" im Jahre 1891 am Wiener Hof - jedoch in stark veränderter Form - wieder aufgenommen wurde.

Die Musik: Durch die Verschmelzung der französischen Rokoko-Musik mit dem Wienerlied und der Volksmusik entstand dieses leichte Singspiel. In der Rolle des Colas kann man den gutmütigen Messmer erkennen.

Inhalt

Das Stück erzählt von Bastienne, die traurig ist, weil sie glaubt, ihr geliebter Bastien will sie wegen eines reichen Mädchens aus der Stadt verlassen. Sie klagt dem weisen Colas ihren Schmerz. Dieser rät ihr, die Eifersucht ihres Geliebten zu wecken.
Als Bastien daraufhin wieder zu seiner Geliebten zurückkehren will, gibt Colas vor, Bastienne habe bereits einen Anderen erhört. Als er das nicht glauben will, befragt Colas sein "Zauberbuch" und macht Bastien wieder Hoffnung. Als die beiden Verliebten wieder zusammentreffen, erhält Bastien zunächst einen Korb. Beide geben mit ihren "neuen" Geliebten an. Als sie sich jedoch an die wunderschöne gemeinsame Zeit erinnern, versöhnen sie sich. Das Paar bedankt sich bei Colas für seine geleisteten "Zauberkünste".

Geschichte

Das Sujet von Mozarts Bastien und Bastienne KV 50 (46 1 ) ist eng mit Jean-Jacques Rousseaus Intermede Le Devin du village und dessen Parodie Les amours de Bastien et Bastienne von Marie-Justine-Benoite Favart, Charles-Simon Favart und Harny de Guerville verbunden. Rousseaus Le Devin du village - die Erstaufführung fand am 18. Oktober 1752 statt - war einer der großen Opernerfolge der zweiten Hälfte des 18. und des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts an der Pariser Academie Royale de Musique (Opera) und erlebte bis 1829 mehr als 540 Aufführungen.

Bei seinem Pariser Aufenthalt von 1778 (23. März bis 26. September) hätte Mozart Gelegenheit gehabt, das Werk in der Pariser Oper zu sehen. In dieser Zeit fanden 14 Vorstellungen statt. Ob Mozart sich den Devin du village tatsächlich angesehen hat, wissen wir nicht. Seine Korrespondenz und die zeitgenössischen Dokumente sagen darüber nichts aus. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Mozart dieses Werk, auf dem - was die Handlung betrifft - seine „deutsche Operette" Bastien und Bastienne ja basierte, gesehen hat.

Hervorstechend an Le Devin du village war nach Rousseaus eigener Aussage das Rezitativ, das auf eine ganz neue Art „akzentuiert" war und das sich „avec le débit de la parole" („mit der Sprechweise des Wortes") fortbewegte. Rousseau wollte sich mit seinem Werk gemäß seinen Grundsätzen der Natürlichkeit gegen das rhetorische Pathos der tragedie lyrique und gegen die italienische Buffakunst wenden. Seine Musik sollte und wollte sich den einfachen und natürlichen Sitten der Hirten anschließen.

Im September 1753, nachdem der Devin du village33 mal in der Academie Royale de Musique gespielt worden war, gaben die Comediens Italiens Ordinaires du Roi (Comedie Italienne) in Paris eine Parodie des Devin du village mit dem Titel Les amours de Bastien et Bastienne. Autoren dieser Parodie sind Monsieur und Madame Favart, ferner Harny de Guerville. Die Parodie Les amours de Bastien et Bastienne war keine Verspottung des Originals; humoristische Texte und Anspielungen auf Tagesereignisse fehlten ganz. Die Favart/Harnysche Parodie bestand vielmehr darin, dass die Schauspieler in Gestalt wirklicher Bauern auftraten und in deren Dialekt sprachen und sangen. Madame Favart zum Beispiel trug als Bastienne ein leinenes Kleid, so wie es die Bäuerinnen in Frankreich um 1750 trugen, ein goldenes Kreuz um den Hals, Holzschuhe, das Haar einfach aufgesteckt - also keine Perücke - und die Arme frei. Diese Kostümierung war für die Zeitgenossen ungewohnt.

Les amours de Bastien et Bastienne waren dem Wiener Publikum wohlbekannt. Das Favart/Harnysche Stück wurde am 16. Juni 1755 in Laxenburg gespielt und am 5. Juli 1755 in Wien. 1757, 1761 und 1763 stand die Parodie wieder auf dem Spielplan. Graf Giacomo Durazzo (1717-1794), der nach einem Aufenthalt in Paris im Jahre 1749 als genuesischer Gesandter nach Wien gekommen war und hier 1754 Generalspektakel-Direktor wurde, ordnete die Favart/Harnysche Paro die für das Wiener Burgtheater an. Durazzo hatte die Favarts in Paris kennen gelernt. Diese Verbindung ist besonders für das Wiener Theaterleben zwischen 1760 und 1764 wichtig gewesen.

In Durazzos Direktoriumszeit wirkte in Wien der Schauspieler, Übersetzer und Topograph Friedrich Wilhelm Weiskern (1710-1768). Weiskern, Sohn eines sächsischen Rittmeisters, war 1734 nach Wien gekommen. 1741 wurde das am Michaelerplatz gelegene Hofballhaus nach seinen Plänen in ein neues Theater umgewandelt, in dem die deutschen Schauspieler aus dem Kärntnertortheater Vorstellungen gaben. Weiskern erweiterte bald sein Repertoire so, dass er in Wien zu einem der ersten Schauspieler seiner Zeit avancierte. Verdienste hat er sich besonders um die Stegreifkomödie gemacht, die er mit seiner einzigartigen Erfindungsgabe bereicherte. Wohl auf Durazzos „Befehl" hat Weiskern 1764 Les amours de Bastien et Bastienne übersetzt.

Monolog und Dialog sind fast wörtlich, die Arien und Ensembles - bedingt durch den gebundenen Text - sind freier übersetzt. Weiskern übersetzte zwar ziemlich genau, traf jedoch die Feinheiten der französischen Vorlage nicht. Das mag sich daraus erklären, dass er zwar des klassischen Französisch mächtig war, jedoch mit der Sprache der Bauern und ihren Dialekten nur wenig anfangen konnte und die hintergründigen Verballhornungen nicht erkannte. Wie Weiskern in seiner Übersetzung mitteilt, sind alle mit Anführungszeichen gekennzeichneten Worte von Johann Müller. Es handelt sich um den Schauspieler Johann H. F. Müller (1738-1815), den Durazzo 1763 verpflichtete. Von Müller stammen demnach die Nummern 11, 12 und 13. Die Weiskern/Müllersche Übersetzung hielt sich längere Zeit auf dem Spielplan der Wiener Volksbühnen.

Vielleicht hat Mozart den Salzburger Hoftrompeter Johann Andreas Schachtner (1731-1795) - oder umgekehrt - auf die Weiskern/Müllersche Übersetzung aufmerksam gemacht. Schachtner, den mit den Mozarts eine enge Freundschaft verband - Leopold war Schachtners Trauzeuge -, hatte bereits bis 1766 einige dichterische Erfolge zu verbuchen. Ob er auch für Mozart die Texte zur Grabmusik (Wo bin ich, bittrer Schmerz) KV 42 und zum Chorfinale von Thamos, König in Ägypten KV 345 verfasste, ist ungewiss; dagegen ist sicher, dass er neben einer Neufassung der Weiskern/Müllerschen Übersetzung von Bastien die erste deutsche Übersetzung von Idomeneo angefertigt hat. Die Dokumente schweigen über die Hintergründe von Schachtners Bastien-Fassung.

Die Schachtnersche Bearbeitung erstreckt sich auf folgende Punkte:

Schachtner versifiziert den Weiskernschen Prosatext. Den einzigen gereimten Dialog Weiskerns (No. 14) hat Schachtner nicht verändert (vgl. Anhang S. 91).

Schachtner übernimmt Weiskerns Arientexte im wesentlichen wörtlich, verbessert aber gelegentlich, um metrische Härten zu beseitigen. Schachtner verbessert, um Sinnstörendes auszumerzen.

- Schachtner passt seinen Text der dramatischen Situation an.

- Die Zauberformel des Colas (No. 10) ist von Schachtner neu gedichtet.

Die von Mozart vielleicht später vertonten Rezitative (im verschollenen Autograph ist in ihnen Colas im Altschlüssel notiert, die ganze übrige Partie hingegen im Bassschlüssel) sind alle von Schachtner versifiziert. Ebenso sind die von Mozart nicht vertonten Dialoge in Verse umgesetzt. Vergleicht man die Arien und Ensembles von Weiskern, Müller und Schachtner mit den von Mozart vertonten Texten, so zeigt sich, dass die Nummern 1, 6, 8, 9, 14, 15, 16 nach Weiskern komponiert sind, die Nummern 11 und 13 nach Müller, die Nummern 4 und 12 nach Schachtner. Die Nummern 2, 5, 7 und 10 sind eine Mischung der Übersetzungen von Weiskern und Schachtner. Folgende Stadien der kompositorischen Entstehung des Werkes können anhand des Textvergleiches Weiskern/Müller mit Schachtner angenommen werden (nähere Nachweise enthält der Kritische Bericht zur Partitur der NMA):

1. Mozart begann mit der Komposition der Weiskern/Müllerschen Vorlage.

2. Während der Arbeit an den einzelnen Gesangsnummern wandte sich Mozart der Schachtners chen Bearbeitung zu (vgl. die nach Schachtner komponierten Nummern 4 und 12).

3. Nachdem Mozart alle Gesangsnummern vertont hatte, korrigierte er bei den Nummern 5, 7 und 10 Weiskern in Schachtner um.

4. Mozart berücksichtigte - aus welchen Gründen auch immer - die Schachtnerschen Änderungen nicht konsequent: Die Nummern 1, 6, 8, 9, 14, 15 und 16 sind in Weiskerns Fassung stehen geblieben, die Nummer 13 wurde in der Müllerschen beibehalten.

5. Die erhaltenen Rezitative wurden aller Wahrscheinlichkeit nach später auf Schachtners versifizierten Text komponiert. Ob Mozart den restlichen Schachtnerschen versifizierten Dialog vertont hat, entzieht sich unserer Kenntnis, da uns keinerlei Quellen vorliegen. Sollte er wirklich nur die bekannten Rezitative komponiert haben, so sind die Schachtnerschen Dialoge nur zum Teil vertont.

6. Mozart komponierte die einzelnen Nummern offensichtlich nicht in der Reihenfolge der vorliegenden Partitur, sondern einzeln. Die Nummern 4 und 12 scheinen später entstanden zu sein als die Nummern 13 bis 16.

Sollten die mit dem Schachtnerschen Text versehenen Rezitative nicht gesungen werden, so kann dafür der Weiskernsche Dialog (vgl. Anhang S. 89) gesprochen werden. Ob Weiskernscher oder Schachtnerscher Dialog verwandt wurde, lässt sich nicht sagen, da der Dialog in keiner Quelle vorhanden ist. Es ist aber anzunehmen, dass bei Aufführungen eher die Weiskernsche Vorlage gewählt wurde, weil sie natürlicher ist. Ferner ist zu bedenken, dass Weiskern/Müllers Übersetzung gedruckt vorlag, die Schachtnersche Bearbeitung aber nur handschriftlich existierte.

Die erste nachgewiesene Aufführung von Bastien und Bastienne, veranstaltet von der Gesellschaft der Opernfreunde, fand am 2. Oktober 1890 im Berliner Architektenhaus statt; gespielt wurde diese „Operetta", wie Leopold Mozart das Stück nannte, zusammen mit der Heimkehr aus der Fremde von Felix Mendelssohn Bartholdy.

1891 schrieb Max Kalbeck zu KV 50 einen neuen Text und Dialog. 1900 legten Henry Gauthier­Villars und Georges Hartmann eine französische Fassung vor, 1906 bearbeitete Rainer Simons das Werk für die Wiener Volksoper. Carlo Rossi übersetzte 1914 den Weiskernschen Text für Venedig, Faixà den Schachtnerschen ins Englische, Korn eel Goosens 1942 ins Flämische. 1957 fertigte Bernhard Sännerstedt eine Übersetzung für das Stockholmer Radio an, 1962 übersetzte Max Leavitt Weiskerns Fassung ins Englische, 1969 bearbeitete Basil Swift KV 50 für Pennsylvania.

Da Bastien und Bastienne kein abendfüllendes Stück ist, wird die Oper oft mit anderen Kurzopern gekoppelt; auch Marionettentheater und Schulbühnen nehmen sich ihrer gerne an.

Rudolph Angermüller, Salzburg, Oktober 2001

Quelle: Vorwort; Mozart Bärenreiter Urtext „Bastien und Bastienne“ KV 50 (46b); Klavierauszug
© 1999 by Bärenreiter-Verlag Karl Vötterle GmbH & Co. KG, Kassel

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