Eine musikalische Zeitreise

Kapitel 8

Popmusik

Im weiteren Sinne zählt jede durch Massenmedien verbreitete Art von Unterhaltungsmusik wie Schlager, Filmmusik, Operette, Musical, Tanzmusik, sowie populäre Adaptionen aus Klassik, Folklore und Jazz zur Popmusik. Die Verwendung „Popmusik“ im Sinne von „populäre Musik“ ist in der Musikwissenschaft jedoch umstritten.

Begriffsbestimmung

Popmusik ist nicht gleichzusetzen mit „populäre Musik“, wenngleich der Begriff Popmusik nicht selten auch in diesem Sinne verwendet wird. In Musikzeitschriften wie Spex oder Rolling Stone werden die Begrifflichkeiten Pop und manchmal auch Rock 'n' Roll verwendet, um die über das Musikalische herausgehende Dimensionen der Popmusik zu betonen, während der Begriff Rock eher musikalische Parameter in den Mittelpunkt stellt.Popmusik wurde weitgehend zum gesellschaftlich akzeptierten Phänomen und Bestandteil der Alltagskultur. Zahlreiche Popmusiker machten nun speziell Musik auch für ein erwachsenes Publikum.
Der Erfolg der kommerziell ausgerichteten Popmusik misst sich in den Hitparaden. Popmusik ist heute der kommerziell lukrativste Zweig der Musikindustrie.
Allerdings sind dies keine allgemeinen Merkmale, die für jede Form von populärer Musik gelten. Die Charakterisierung von Popmusik als „einfach“ folgt zumeist einer bewussten oder unbewussten Gegenüberstellung mit klassischer Musik, die in der Regel rhythmisch, harmonisch und melodisch ungleich vielschichtiger ist.

Geschichte der populären Musik

Der Begriff "populäre Musik" und seine Vorgeschichte

Der Begriff "populär" lässt sich in der Musikgeschichte schon wesentlich früher nachweisen als in den 1950er und 1960er Jahren, als der Begriff "Popmusik" im Rahmen der Entwicklung der Popkultur geprägt wurde.

Populäre Musik im Mittelalter

Bis zum 19. Jahrhundert wurde Instrumentalmusik als minderwertig betrachtet. Musik war das, was die menschliche Stimme machte. Populäre Musik bestand zur Hauptsache aus dem Lied, das fast nur in religiösen Zusammenhängen aufgezeichnet wurde. Die Tradition der Kontrafaktur zeigt, dass weltliche Melodien auch auf die religiöse Musik Einfluss hatten. Die bedeutenden gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts hatten natürlich auch Auswirkungen auf die populäre Musik. Zudem war ihnen die Ausübung ihrer kulturellen Traditionen, so auch der Musik, verboten. Von den Zentren wie New Orleans, das sich schon aufgrund vergleichsweise größerer Freiheiten für Afroamerikaner im 19. Jahrhundert zu einem musikalischen Zentrum entwickelt hatte, und Chicago aus gewannen die schwarzen Musiker so einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der populären Musik in den USA. Die entstehende Jazz-Musik gilt als erste eigenständige US-amerikanische Form der populären Musik.
Als der bedeutendste Komponist des Ragtime gilt Scott Joplin, dessen erste Stücke 1895 erschienen. Der Ragtime ging schließlich ab ca. 1916 im Blues und Jazz auf.

Der Beginn der Schallplattenaufnahmen und die Herausbildung der Musikindustrie

Medien und Musikverlage

Das bedeutendste Live-Medium für populäre Musik war bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Theater, vom Boulevardtheater bis zur Music Hall. Die Tin Pan Alley trug entscheidend zur verstärkten Kommerzialisierung der populären Musik in den USA bei: Hier wurde nur das herausgebracht, was mit großer Sicherheit den Massengeschmack eines möglich großen Marktes treffen würde. Aufgrund seiner Popularität wurde die Musik zum Teil auch gefördert, um der landesweiten Begeisterung auch vieler Weißer für Ragtime Einhalt zu gebieten. Während der Großen Depression in den 1930er Jahren wurde der Country, der auch bei den Schwarzen der Südstaaten beliebt war, als vereinigende US-amerikanische Musik von staatlicher Seite popularisiert.

Swing und Rock ’n’ Roll

Der Swing, der seine Blütezeit (den sogenannten "Swing Craze") etwa zwischen 1935 und 1945 hatte, war der erste Stil der populären Musik, der die gesamte amerikanische Gesellschaft ohne Unterschiede zwischen schwarz und weiß oder arm und reich erreichte. Im gewissen Sinn ist diese Musik außerdem ein Bekenntnis der US-Amerikaner zu Größe und Aufwand, manifestiert durch die Big Bands, die aus doppelt oder dreimal so vielen Musikern bestehen wie übliche Jazz-Formationen. Der Swing enthält gut hörbar Elemente des Jazz, aber auch von "weißen" Musikstilen, wobei der Anteil der schwarzen Musik am Swing oft unterschätzt wird, da viele der bekannten Big Bands auch aufgrund rassistischer Beschränkungen stark weiß besetzt waren. Der Rock ’n’ Roll als Musikstil ist eine Synthese aus verschiedenen, unabhängig voneinander entstandenen (regionalen) Stilen, die wichtigsten sind der Rhythm and Blues und die Country-Unterstile Western Swing und der Honky Tonk. Der Western Swing ist eine Spielart der von der weißen Landbevölkerung der US-Südstaaten geprägten Country-Musik mit Elementen des Swing, die Ende der 1930er bekannt wurde, besonderen Auftrieb aber erst durch den ASCAP-Streit 1944 bekam. Rock ’n’ Roll und nachfolgende Stile haben seitdem vorangehende Stile wie Entertainer und Schlager in der Popularität stark zurückgedrängt und bestimmen die Popmusik-Hitparaden.

Die Funktionen der modernen Popmusik und die Zukunft

In den letzten 50 Jahren entwickelten sich unzählige neue Stile und Unterstile der Popmusik. Als Beispiel für einen Milieu-Stil sei hier der Rap genannt, der ursprünglich nur die Musik der schwarzen Jugendlichen in den US-amerikanischen Großstadt-Ghettos war und dessen Wurzeln bis zum Rhythm & Blues zurückreichen. Als Beispiele für Generationen erfassende Stile seien hier die Flower-Power-Bewegung und die Disco-Musik der 1970er genannt. Anfang der 1980er Jahre erlebt die deutschsprachige Popmusik im Zuge der Neuen Deutschen Welle einen großen Aufschwung in Deutschland.

Film und populäre Musik

Im Zusammenhang mit der Disco-Musik wird außerdem der Aspekt der Wechselbeziehung zwischen Film und Musik noch einmal interessant, da in der Rock ’n’ Roll-Ära die Musikfilme noch eher die Folge des bereits populären Stils waren, während die Disco-Musik ihren weltweiten Siegeszug infolge des Films "Saturday Night Fever" 1978 antrat. Nicht zuletzt durch diesen Film und seine Nachfolger wurde der Trend verstärkt, zur Musik auch Bilder zu liefern (Musik und dazugehörige Bilder gab es bereits seit den Nickelodeons).

Inhalte

Popmusik und Politik

Politische Inhalte haben in der Popmusik eine lange Tradition. Allgemein wird aber der Wirkungsgrad politisch motivierter Musik von Seiten der Medien und der Wissenschaft gerne unterschätzt.
Tatsächlich aber zählt die politische Popmusik zu einem der bedeutendsten Bereiche im Rahmen der Unterhaltungsmusik, von dem eine klare ästhetische Wirkung ausgeht. Sowohl in der politische Ästhetik wie auch im Bereich der Ästhetik politisch orientierter Popmusik wird mit den Mitteln der Reklametechnik und der Suggestion gearbeitet. Die Popmusik hat daher immer Anleihen bei anderen Musikstilen gemacht.
Die Musiker trachten, mit ihrer Musik ein möglichst großes Publikumsinteresse zu wecken. Die Musik soll die Fantasie der Rezipienten anregen, Aussagen mit uneingeschränktem Wahrheitscharakter würden das Publikum bald langweilen.
Im Idealfall gelingt den Vertretern der Popmusik nämlich die Erziehung des Publikums zu politischem Bewusstsein, ohne gleichzeitig Lösungen von musikalisch behandelten politischen Themen präsentieren zu müssen. Da die Popmusik häufig von jungen Künstlern gemacht wurde, ging die Entwicklung der politischen Popmusik auch mit der Entwicklung der politischen Jugendbewegungen einher.
Interessant an dieser Entwicklung ist, dass die politisch orientierten Musiker und Bands und ihre Botschaften bis heute allgemein dem 'linken' politischen Lager zugerechnet werden.
Trotz der wachsenden Zahl politisch interessierter Musiker wurde der Wirkungsgrad, den die politische Popmusik beim Publikum erreichen konnte, konsequent unterschätzt. Gerade die schwarzen US-Musiker gaben dem Begriff des politischen Pop eine neue Bedeutung. "The tradition had grown up in the days of slavery, when the blues and gospel provided one uncontrollable outlet for black expression. No one could stop the music in the fields or in the churches, and black America's preachers haven't forgotten what a powerfull medium a song can be; .... Songs are not limited by natural or human boundaries.'" (aus Robin Denselow - WHEN THE MUSIC'S OVER London 1990 S.XVI) Diese alte Tradition politischer Inhalte in der Musik schwarzer Amerikaner findet heute in der Stilrichtung Rap seine Fortsetzung. Rap-Musik stellt heute zweifellos die wichtigste Form politischer Artikulation der schwarzen Bevölkerung in den USA dar.
In Großbritannien inspirierte Bob Marley mit seiner Reggae-Musik die Rock-Against-Racism (RAR)- Bewegung, die bis heute als Forum für politische Anliegen musikinteressierter Jugendlicher sehr erfolgreich agiert. Die Stilrichtung der Reggae-Musik fand überhaupt, nicht zuletzt aufgrund ihres bekanntesten Vertreters Bob Marley, in England großen Anklang. Bands wie etwa UB40 oder The Police beschäftigten sich in vielen ihrer Songs mit dieser Stilrichtung. Wenngleich auch der Reggae in der 'weißen' Popmusik immer mehr von der Stilrichtung zum Stilmittel wurde, besteht durch die Verbreitung dieses Musikstils durch weiße Musiker dennoch die Hoffnung, dass der ursprüngliche politische Charakter dieser Musik nicht zu schnell in Vergessenheit gerät.
Zum ersten Mal konnte mit Zahlen und Fakten belegt werden, welchen ungeheuren Einfluss Popmusik auf ihr Publikum ausübt.
1988 kam es allerdings mit der Abhaltung des bis heute größten Live-Ereignisses aller Zeiten, dem "A Tribute To Nelson Mandela"-Konzert, zu einem der bedeutendsten politischen Manifestationen in der Geschichte der Popmusik. "The Nelson Mandela Seventieth Birthday Tribute was like a more political version of Live Aid, with the aim of raising awareness rather than just money." Atomkraftwerkspolitik, Umweltzerstörung sowie die steigende Drogenproblematik sind die neueren Themen des politischen Pops. Themen wie etwa die Drogenproblematik beschäftigen die Musiker heute wahrscheinlich aus zweierlei Gründen besonders. Im Laufe der Entwicklung des politischen Pop kam es auch immer wieder zu Missverständnissen und Vereinnahmungen der Musiker von Seiten einiger politischer Repräsentanten. Die Mitglieder der Band bestritten dies mehrmals öffentlich, als die Gerüchte aber nicht verstummen wollten, hielt Bono während eines Konzertes in den USA quasi als Einleitung zu dem Song fest: "People come up to me and talk about the resistance, the revolution, the glory of the revolution and the glory of dying for the revolution back home. Nobody talks about the glory of killing for the revolution. (Quelle: Robin Denselow - WHEN THE MUSIC'S OVER London 1990 S.277)

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