Eine musikalische Zeitreise

Kapitel 7

Jazz

Der Jazz wird im Hinblick auf seine künstlerische Bedeutung häufig als amerikanisches Pendant zur „klassischen“ europäischen Musik verstanden. Die aus Europa stammende Musikkultur wird im Jazz jedoch auf eigene Weise genutzt.

Jazzharmonik, Jazzrhythmik

Auch die neueren Strömungen des Jazz weisen einzelne musikalische und ästhetische Charakteristika auf, die sie als Jazz erkennbar werden lassen.

Zentrale Jazzstile

Hauptartikel: Geschichte des Jazz, Jazz in Deutschland und Jazz in den Vereinigten Staaten
Im Zuge der Verbreitung des Jazz entstand zunächst die Jazz-Kritik und dann die Jazzforschung. Die Jazz-Kritik entwarf eine Reihe von Jazz-Stilen und deutete ihre Abfolge so, dass die auf dem Blues, dem Gospel und dem Ragtime aufbauende Jazz-Geschichte zumindest bis in die 1960er Jahre als annähernd „folgerichtige“ Entwicklung erschien: New Orleans Jazz/Dixieland Jazz; Chicago Jazz; Swing; Bebop; Cool Jazz/West Coast Jazz; Hard Bop/East Coast Jazz; Free Jazz; Fusion/Rock Jazz. Auch die Stile der Vergangenheit werden aus neueren Blickwinkeln mitunter mit zusätzlichen Stil-Bezeichnungen angereichert („Latin Jazz“, „Modal Jazz“) und abweichend bewertet.

New Orleans Jazz (ab 1900)

New Orleans Jazz entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts in New Orleans (Louisiana) und verbreitete sich in den 1910er Jahren durch New Orleans Bands nach Chicago, Illinois und New York. Dixieland wird häufig als der erste wirkliche Jazz-Stil gesehen. Es war auch die erste Musik, die unter dem Begriff Jazz zitiert wurde. Vor 1917 wurde das Wort Jazz oft „Jass“ buchstabiert. Ein bekannter späterer Vertreter des New Orleans Jazz war Louis Armstrong, der allerdings insgesamt in vielen verschiedenen Bereichen des Jazz wirkte. In den 1950er Jahren erlebte der New Orleans Jazz eine Renaissance (New Orleans Revival).

Dixieland Jazz (ab 1910)

Durch die damalige Rassentrennung waren Bands nach Hautfarben getrennt. Dixieland Jazz ist allerdings nicht scharf vom New Orleans Jazz abzugrenzen.

Chicago Jazz (ab 1920)

In Chicago fand der New-Orleans-Jazz und der Dixieland-Jazz der Profis aus dem Süden viele Nachahmer. Die einzelnen Soli haben im Gegensatz zur Kollektivimprovisaton des New Orleans Jazz eine größere Bedeutung. In Europa entwickelte sich seit den 1930ern der Gypsy Jazz. Im Gypsy Jazz finden sich Einschläge europäischer Musiktraditionen.

Bebop (ab 1943)

Bebop entwickelte sich ab 1943 und legte die Grundlagen für den Modern Jazz.

Latin Jazz (ab 1947)

Latin Jazz ist eine Spielart des Modern Jazz, die sich vor allem durch die Übernahme von Rhythmen und teilweise auch Kompositionen aus dem Repertoire der lateinamerikanischen Musik auszeichnet. Der Pionier des Latin Jazz war Dizzy Gillespie. Soul Jazz ist die funkige Variante, die in den frühen 60er Jahren entstand.

Free Jazz (ab Ende der 50er Jahre)

Free Jazz ist einerseits ein historischer Begriff für freies ungebundenes Improvisationsspiel im Jazz seit den 1960er Jahren. Im zeitgenössischen Avantgarde Jazz - einer späteren, intellektuellen Variante des Free Jazz - greift man in der Regel auf durchgehende Metren zurück.

Jazz Fusion (ab Ende der 60er Jahre)

Jazz Fusion ist ein Genre, das Jazz mit anderen Stilrichtungen kombiniert, besonders mit Rock- und Funkmusik.

Zeitgenössische Entwicklungen

Modern Creative

Modern Creative ist ein Jazzstil, der die stilistische Vielfalt des Modern Jazz zeitgenössisch aufgreift. World Jazz bzw.

Ethno-Jazz

Anders als frühere Begegnungen von Jazzmusikern mit Musikern anderer Musikkulturen, bei denen exotische Themen mit Mitteln der Jazz-Stilistik behandelt wurden, entstanden ab den 1970er Jahren Verbindungen von Jazz mit „nicht-westlicher“ Musik, in denen der Jazz-Charakter zugunsten eines gleichberechtigten Austauschs und des Bemühens um tatsächliche Fusion zurückgestellt wurde (z.B. in den Gruppen Shakti oder Codona). Für diese Versuche einer musikalischen Synthese wurden Bezeichnungen wie „World Jazz“ oder auch „Ethno-Jazz“ gebräuchlich.

Neotraditionalismus

Anhänger des „Neotraditionalismus“ lehnen die Entwicklungen des Free Jazz und der Jazz Fusion als dem Wesen des Jazz widersprechend ab und sehen die Elemente Blues und Swing als unentbehrliche Bestandteile von Jazz an. Der sogenannte „Neobop“ - eine aktuelle Form einer aus dem Bebop und Hardbop abgeleiteten Jazz-Tradition – bildet einen wesentlichen Teil des Neotraditionalismus, der aber weit darüber hinausreicht: einerseits durch einen Rückbezug auf ältere Stile (Louis Armstrong dient als wichtiger Bezugspunkt), andererseits durch einen starken Einfluss des sogenannten modalen Jazz (das Vorbild der Miles-Davis-Quintette ist allgegenwärtig). Acid Jazz funktioniert als tanzbarer Clubsound und steht dem Musikgenre Disco nahe.

Nu Jazz

Nu Jazz (gelegentlich auch als Electro Jazz bezeichnet) ist eine Richtung der elektronischen Musik der späten 1990er- und der 2000er-Jahre. Auch der Nu Jazz ist nur bedingt als originärer Jazzstil zu bezeichnen, da die Basis dieser Musik meist elektronische Musik ist, die mit Jazz-Elementen verbunden wird. Als Nu Jazz wird beispielsweise sowohl Drum ’n’ Bass oder House mit Jazz-Anklängen als auch der Broken Beat bezeichnet.

Smooth Jazz

Insbesondere in den USA trägt der Smooth Jazz zur leichten Unterhaltungsmusik bei.

Jazz-Rap

Durch das Aufkommen des Hip Hop wurde auch diese Musikrichtung in den Jazz integriert. Vertreter des Jazz-Rap in Deutschland ist die Jazzkantine. Als ein Wegbereiter dieser Spielart des Jazz gilt das Bandprojekt Jazzmatazz.
Die jungen Jazz-Musiker sind heute allgemein auf sehr gutem technischen Stand.

Etymologie

Die Herkunft des Ausdrucks Jazz ist ungeklärt. Am Anfang bezeichnete man den frühen Jazz auch häufig als "Hot Ragtime" oder einfach "Ragtime". 1909 tauchte der Begriff in dem Song „Uncle Josh in Society“ auf: „One lady asked me if I danced the jazz …“, wahrscheinlich eine Art von Ragtime-Tanz meinend. 1913 ist der Begriff belegt als Bezeichnung einer Art von Musik, möglicherweise als Bezeichnung für die Musik zu jenem Ragtime-Tanz.
Das englische Verb „to jazz“ für „to speed or liven up“, schneller werden oder beleben, in Schwung bringen, ist ab 1917 belegt.

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